BMW R 100 SS ElTorro,

Bj 77, TÜV neu, keine 50 Tkm seit Motor-Revision, elektronische Zündung, 1000er Mahle Kolben/Zyl., scharfe Nocke, fast 70 PS am Hinterrad (Diagramm!), Münch Duplextrommel-Bremse, MBV-Halbschale m gr. Schweinwerfer, Heinrich-Tank ca 30 ltr, Giuliari-Sitzbank verkürzt, VA-Auspuffanlage, Koni-Stossdämpfer, Alu-Hochschulterfelgen m VA-Speichen, weisse Instrumente, 6-Gang-Kaiser Getriebe, 

 

 

Di                           Meine ElTorro-Story
Als ich mir Mitte der 80er Jahre eine R 100 S, Bj 77 kaufte - gebraucht, aber Original - fing es an. Mir gefiel das Aussehen nicht. Vor mir hatte ich das Bild der legendären BMW Rennmaschine RS 54. Eine kleine Sportmaschine mit Einmann-Sitzbank sollte es werden. Erstanden hatte ich aber einen Tourer, mit Platz für zwei samt Gepäck. Und da es damals bei BMW im Programm keine Maschine meiner Vorstellung gab und - auch die seinerzeit neue R 100 R war es nicht - beschloss ich, meinen klassischen Sportboxer selber zu bauen.
Das kleine lenkerfeste S-Cockpit wurde als erstes abgeschraubt. Eine Halbschale musste her, die rahmenfest war. MBV hatte das passende mit TÜV. Klar war für mich auch, dass alle Lackteile schwarz wurden, mit feinen weissen Linien. Die abstehenden Blinker vorn und hinten wurden eleminiert und Ochsenaugen montiert, nachdem ich aus einer unteren Gabelbrücke eine obere machen liess und Stummellenker von Telefix montiert hatte. Neue Lenker-Armaturen waren auch fällig.
Als nächstes gefiel mir die Bremsanlage vorn nicht mehr. Bekanntlich verzögern zwei ATE-Scheiben in einer /7-Gabel. Eine italienische Trommelbremse kam nicht in Betracht. Bei der Suche stieß ich auf einen Händler, der neben BMW auch Münch-Motorräder schraubte. Bei ihm bestellte ich eine der neuaufgelegten Duplex-Bremsen Marke Münch, natürlich in einer Hochschulterfelge 2.15 x 19 mit Edelstahlspeichen. Um das neue Rad einzubauen, musste ich neue Gabelunterteile kaufen, und zwar /6, denn die hatte nur eine Scheibe. Ein Freund drehte mir Distanzscheiben aus Alu, denn bei dem Münch-Motorrad wurde ja die Tachowelle vom Vorderrad angetrieben. Auch das Hinterrad bekam eine neue Hochschulterfelge 3.0 x 18 mit VA-Speichen.
Der Original-Motor von 1977 hatte noch die alte mechanische Zündanlage. Ich war aber scharf auf eine elektronische Zündung. Also kaufte ich einen neueren, gebrauchten R80-Motor. Mahle bot 1000er-Zylinder und Slipperkolben an, die wurden nagelneu gekauft und verbaut. Die Kolben wurden auf einer Apotheker-Waage auf genaueste ausgewogen. Da diese Mahle-Kombination 5 mm auf jeder Seite schmaler baut, mussten die Stösselstangen gekürzt werden. Dadurch erhöhte sich die Kompression, was dem Drehmoment sehr gut bekam. Der neue Motor wurde komplett überarbeitet: Kurbelwelle neu gelagert, Pleuel-Lager neu, neue schärfere Nockenwelle, alle Dichtungen neu.
Das Getriebe: schon lange hatte ich von dem berühmten Kaiser-6-Gang Getriebe gehört. So was musste her. Allerdings wollte er dafür richtig "Kohle" haben. Durch Zufall fand ich einen jungen Mann, der mir die Innereien ohne Gehäuse für mein Traum-Getriebe anbot. Da ich noch ein 5-Gang-Getriebe rumzuliegen hatte, liess ich von einem Fachmann das "neue" Getriebe bauen. Selbstverständlich wurden alle Lager und Dichtungen neu gemacht.
Als nächstes war der Tank dran. Die Form gefiel mir nicht, ausserdem war er zu klein. Nicht, dass ich ständig ein Fass mit 32 ltr Sprit dabei haben wollte. Nein, die Tanks der früheren Rennmaschinen waren so gross. Sie mussten nämlich ohne Tankstopp das gesamte Rennen bestreiten. Den besten Eindruck - was die Optik betrifft - hinterliess der sogenannte Büffel-Tank von Heinrich. Den noch berühmteren Schorsch-Meier-Tank gab es leider nur noch für die R50/R69S. Durch die schwarze Lackierung und die feine Doppellinie kam er meinen Vorstellungen am nächsten. Natürlich passte die Halbschale nun nicht mehr. Na ja, absägen und neue Halterungen unter dem neuen Tank sorgten auch hier für Abhilfe.
Viele Leute bemängeln die zu kleinen Instrumente der alten Boxer. Zeitgemässe und grössere sollte der Hersteller einbauen. Ich persönlich fand sie gut, denn früher waren sie nicht grösser. Nur die Farbe der Ziffernblätter - schwarz - war mir zu modern. Also wurden sie ausgebaut, weiss lackiert und bekamen klassisch schöne Zahlen und Striche in schwarz. Dass das auch anderen gefiel, beweisen die vielen Nachfragen nach den weissen Instrumenten.
Nun zum Heck. Das Hinterteil des Boxers hat mich schier zur Verzweiflung gebracht. Als erstes spendierte ich eine Original-Guiliari-Sitzbank. Der Umbau war relativ leicht: alte S-Bank ausklinken - neue Sitzbank einhängen. Aber damit war das Grundproblem nicht gelöst. Das Heck des Boxers ist einfach für zwei Personen gemacht, und damit viel zu lang.
Da gabs nur eins: Heckteil abschrauben, kürzen, neue Löcher bohren und tieferlegen. Nun passten aber die Original-Stossdämpfer nicht mehr. Die Fa Koni hatte passende im Angebot, gleiche Werte - wie für die R 100 S - aber 2 cm kürzer und das natürlich mit TÜV. Die schwarz beschichteten Federn wurden verchromt. Nun war die Guiliari-Sitzbank aber wieder zu lang. Ich polsterte sie ab, flexte ca 15 cm heraus und baute alles wieder zusammen. Von meiner Mutter hatte ich gelernt, mit der Maschine zu nähen. Nachdem ich schon mal eine Lederjacke genäht hatte, war der Überzug für meine Sitzbank kein Problem mehr.
Jetzt gefiel mit das Heck, aber oh Graus - die Auspufftüten waren jetzt viel zu lang. Ich hatte schon eine Edelstahl-Auspuffanlage gekauft. Und nun suchte ich einen Betrieb, der mir beide Tüten um ca 15 cm kürzte, einschließlich des Innenlebens. Sie sollten keinesfalls lauter sein, ein eventueller Leistungsverlust wäre mir gleichgültig. Ein Betrieb in Südbaden war bereit, die Operation vorzunehmen. Edelstahlschweissen kann nämlich nicht jeder. Der Besitzer fuhr früher selber BMW, aber nachdem ein TÜV-Mensch ihm davon abgeraten hatte, musste ich meine Tüten so wieder abholen. Ein junger Mann in der Nachbarschaft unseres lieben Erasmus Grüttefien - der heilige Hertweck hab ihn selig - wollte es machen. Dieser junge Mann schweisste in einem Krankenhaus für die Operateure, Edelstahlbeschläge für Knochenbrüche und dergleichen. Das Ergebnis bei meinen Auspüffen: einfach himmlisch. Optik und Sound stimmen, von Leistungsverlust keine Spur. Die gesamte Operation des Heckteil - hier in ein paar Sätzen geschildert - hat zwei Winter planen, schrauben, verwerfen und neuplanen gedauert.
Verchromte Schutzbleche vorn und hinten und ein Ducati-Rücklicht der alten 750 SS vervollständigten meinen Umbau. Ich hatte es geschafft: vor mir stand meine R 100 SS SuperSport, die ich "El Torro" taufte. Eigentlich schreibt man Torro mit einem "r", aber das hier ist ein Eigenname. Die Motorschilder "R 100 SS" liess ich von einem mir bekannten Unternehmer aus dem vollen Alu mit Hilfe von CNC fräsen.